UNKALKULIERBARE RISIKEN
Delikte Minderjähriger unter Einfluss von neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) nahmen in der bayerischen Polizeistatistik 2016 erneut zu. Frederik Kronthaler, Geschäftsführer Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene bei Condrobs, gibt zu bedenken: „Durch Kriminalisierung und Strafverfolgung bekämpft man das Problem nicht. Die Hersteller entwickeln ständig neue, nicht nachweisbare Mischungen mit unkalkulierbaren Gesundheitsrisiken. Gesetzgeber und Strafverfolgung sind immer hinterher, zulasten der Konsument*innen!“

HILFE STATT KRIMINALISIERUNG
„Wir stellen uns die Frage: Wie erreichen wir die jungen Menschen, um sie vor den Risiken des Konsums zu schützen? Mit suchtgefährdeten Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, ist der erste wichtige Schritt, um sie über Konsumgefahren aufzuklären und ihnen frühzeitig aus der Spirale einer möglichen Suchtentwicklung heraus zu helfen“, erläutert Kronthaler. Die Folgen der Kriminalisierung dagegen sind fatal: Für Jugendliche mit einem Rauschgiftdelikt in der Führungsakte steht die Berufsausbildung auf dem Spiel, im schlimmsten Fall rutschen sie erst recht in Abhängigkeit und Kriminalität ab.

PRÄVENTION, DIE ANKOMMT
Ein wichtiger Erstkontakt mit den Jugendlichen sind zum Beispiel mobile Drugcheckings, die in der Schweiz, den Niederlanden und in Österreich sogar staatlich gefördert sind: Konsument*innen können hier anonym Substanzen nach Art und Konzentration der Wirkstoffe analysieren lassen. Das stärkt das Gefahrenbewusstsein der Konsument*innen und ist ein erfolgreicher Weg, um mit gefährdeten Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, der auch in Bayern ermöglicht werden sollte.

ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN SCHAFFEN
Condrobs bietet ambulante und stationäre Angebote speziell für suchtgefährdete Jugendliche: „Die Motivation, den Schulabschluss oder ihr Berufsziel zu erreichen, ist hoch. Die Betroffenen stellen oft selbst fest, dass Substanzkonsum dem entgegensteht. Hier setzen wir an“, so Kronthaler. In der Betreuung und Therapie werden Lösungswege für soziale und familiäre Probleme erarbeitet, meist die eigentlichen Ursachen von Suchtverhalten.